Feuerwehrmann aus Peru zu Besuch in Heikendorf



Die Heikendorfer Feuerwehr bekam gestern abend Besuch aus Peru: Alfonso Panizo, Brandschutz-Ingenieur und freiwilliger Feuerwehrmann aus Peru´s Hauptstadt Lima, besuchte die Feuerwehr, in deren Jugendfeuerwehr er vor über 20 Jahren zwei Jahre lang aktiv war.
Alfonso Panizo war damals das erste ausländische Mitglied in der Jugendfeuerwehr Heikendorf, allerdings offiziell nur als Gast, nicht als Mitglied, da zu der Zeit die Jugendfeuerwehr keine Ausländer aufnehmen durfte.

In Peru funktionieren Freiwillige Feuerwehren allerdings etwas anders als in Deutschland, berichtete Panizo in einer Mischung aus Spanisch, Englisch undDeutsch. Lima hat 32 Löschzüge (companias), jeweils vier bis sechs Löschzüge bilden ein „batallion“. Die „batallions“ sind dann zu zwei Departements zusammengefasst: Lima-Nord mit 13 Löschzügen und Lima Süd mit 19 Löschzügen. Bis vor zwei Jahren war Alfonso Panizo Leiter des Departements Lima-Süd. Informationen zur Feuerwehr Perus gibt es auch im Internet:
www.bomberosperu.org.

15 Feuerwehrmänner schlafen in Lima in ihrem Feuerwehrhaus und gehen tagsüber ihrer regulären Arbeit nach. Bevor Alfonso seine heutige Ehefrau kennenlernte, tat er es genauso. Er verbrachte diverse Weihnachtstage und Silvesternächte in „seiner“ Wache „Miraflores No.28“. Die Feuerwehren Perus stellen neben Brandschutz und Gefahrgutunfall-Bekämpfung auch die medizinische Versorgung und Notfallrettung sicher. Zu seiner Zeit als Leiter des Departements Lima-Süd fuhr man im Durchschnitt ungefähr 4000 Einsätze im Jahr, wobei der überwiegende Teil aus medizinischer Versorgung undNotfallrettung bestand.

Am 29.12.2003 machte er einen der schwersten Einsätze in der Geschichte Perus mit: Verursacht durch ein Feuer in einem pyrotechnischen Betrieb zwischen Wohnblocks und Geschäften gingen binnen kürzester Zeit 10 Häuserblocks in Flammen auf, Feuerwerkskörper schossen in alle Himmelsrichtungen aus dem Gebäude, etwa 400 Bürger starben. Die Brandbekämpfung musste zwei Stunden lang warten, da es erstmal galt, Menschen zu retten und für einen Einsatz solchen Ausmaßes bei weitem nicht genügend Einsatzkräfte zur Verfügung standen.
Nach diesem Einsatz erhielten die Feuerwehren Perus durch den Staat eine bessere Ausrüstung.

Auch die Notfallrettung ist nicht mit unserer zu vergleichen: 12 Jahre seiner Feuerwehrzeit musste Alfonso mit Terrorismus, Schießereien und Messerstechereien rund ums Feuerwehrhaus leben. „Man härtet ab“, sagt er.
Heute bildet Panizo die Wehrführer aus. Eigentlich aber möchte er wieder in den Einsatzdienst, er ist mehr der Praktiker, der Kämpfer.

Im Rahmen eines Kongresses in Berlin zeigte er nun seiner Frau die Wurzeln seines Feuerwehrlebens und besuchte Heikendorf. Im Haus der Sicherheit wurdeer freudig begrüßt, alte Weggefährten wie der Heikendorfer Ehrenwehrführer Herbert Noack oder der ehemalige Heikendorfer Feuerwehrmann Peter Wiese aus Laboe fanden sich ein. Nach einem Rundgang durch das Haus der Sicherheit wurde in gemütlicher Runde geklönt, alte Bilder gesichtet. Alfonso hatte seinenLaptop dabei, der kurzerhand mit Hilfe des Beamers der Jugendfeuerwehr für eine kleine Bildershow aus dem Peruanischen Feuerwehrleben genutz wurde.


Geplant hatte Alfonso, der Heikendorfer Wehr ein Geschenk zu überreichen, doch die Sicherheitskontrolle am Flughafen Lima machte ihm einen Strich durch die Rechnung und nahm ihm das Präsent ab. Er wird es über einen Bekannten nach Heikendorf schicken. Allerdings hatte er T-Shirts und Aufnäher der WacheMiraflores mitgebracht. Die Heikendorfer Wehr konterte und überreichte ihm ebenfalls Ärmelabzeichen und T-Shirts sowie Baseball-Caps derJugendfeuerwehr.





Der stellvertretende Ortswehrführer Detlev Howaldt führt Alfonso
Panizo (rechts) durch die Fahrzeughalle


Wiedersehen mit Peter Wiese


Ehrenwehrführer Herbert Noack (rechts) zeigt Alfonso Panizo Bilder
aus alten Zeiten


Alfonso probiert die heutige Heikendorfer Einsatzkleidung an


Alfonso mit seiner Frau Cecilia (Mitte, 2. und 3. von rechts) im
Kreise der Kameraden aus früheren Jugendfeuerwehrzeiten


Ortswehrführer Jürgen Zuleger und Ehrenmitglied Herbert Noack
überreichen als Andenken das Heikendorfer Wappen





Text und Fotos: Karsten Wallath, Pressewart
(jb)