Hugo Schneekloth - Die Geschichte eines Gemeindewehrführers

Artikel aus dem Probsteier Boten vom 16. Mai 2007:


Hugo Schneekloth über die Liebe zur Feuerwehr
Auch die Gartentür war kein Hindernis


dm. Heikendorf. „Es war eine lange Feier“, sagt Hugo Schneekloth mit einem Schmunzeln. Er lehnt sich dabei entspannt in seinen Wohnzimmersessel zurück und nippt genüsslich an seinem schwarzen Kaffee aus einer Feuerwehrtasse der Kieler Feuerwehr.

Die Feier zu seinen Ehren im Heikendorfer Haus der Sicherheit war ebenso lang wie die Reihe an Feuerwehrtassen im Küchenregal. Beide sind Zeichen einer beeindruckenden Laufbahn im ehrenamtlichen Feuerwehrdienst von Hugo Schneekloth. Er wurde am 4. Mai feierlich aus dem aktiven Dienst entlassen. Seit genau 48 Jahren ist er Mitglied der Heikendorfer Feuerwehr – offiziell. Denn eigentlich ist der heute 64-Jährige im Herzen fast sein ganzes Leben lang Feuerwehrmann gewesen.

Als erstes sah er seine Eltern, aber schon bald danach vom Fenster der elterlichen Wohnung im Laboer Weg 4 aus das alte Feuerwehrgebäude auf der anderen Straßenseite. „Es war schon ein ganz besonderes Gebäude. Denn neben den Feuerwehrautos waren dort damals auch ein Gefängnis und eine Leichenhalle untergebracht.“
Immer wieder versuchte er, nach gegenüber zu den Feuerwehrkameraden zu schleichen. Aber seine Mutter erwischte ihn dennoch meistens: „Am Gartentor wahr sehr häufig Schluss.“ Da aber sein Vater und sein Onkel ebenfalls bei der Feuerwehr waren und aufregende Geschichten zu berichten hatten, wusste die Familie Schneekloth sehr genau, dass die Gartentür auf Dauer kein Hindernis sein würde.
„Damals gab es ja noch keine Jugendfeuerwehr. Aber ich durfte trotzdem oft im Feuerwehrauto mitfahren oder habe dort geputzt“, erinnert sich Hugo Schneekloth und schaut dabei stolz aus dem Fenster zum alten Spritzenhaus.

1959 hatte das Warten endlich ein Ende: Hugo Schneekloth bekam die Uniform und wurde offiziell Mitglied der Altheikendorfer Feuerwehr. „Das war schon ein sehr emotionaler Moment. Jetzt konnte ich offiziell als Feuerwehrmann dabei sein zu helfen sowie Mensch, Tier, Hab und Gut zu retten.“ Seine Einsatzbereitschaft war vorbildlich und beispielhaft.
Doch diese Mentalität erreichte scheinbar nicht alle Heikendorfer. Die Mitgliederzahlen gingen rapide zurück. Hugo Schneekloth resignierte in der Situation nicht – im Gegenteil. Er ging voran und war nach der Gründung der Jugendfeuerwehr 1970 als Jugendfeuerwehrwart maßgeblich an der persönlichen und fachlichenEntwicklung des Nachwuchses beteiligt.


„Das Ziel der Jugendwehr war es zunächst hauptsächlich, neue Mitglieder zu gewinnen“, sagt Schneekloth. Aber dahinter steckte noch mehr. „Ich selbst habe ja nie die Jugendfeuerwehr kennen lernen dürfen. Da fehlte mir etwas.“ Die Jugendlichen können frühzeitig lernen, andere zu respektieren, Aufgaben gewissenhaft zu erfüllen, zuverlässig und pünktlich zu sein. „Und es macht einfach Spaß.“
Dafür sorgen unter anderem auch Feiern, Übungen und Ausflüge. So lag Hugo Schneekloth diese Arbeit besonders am Herzen, da die Jugendwehr zudem die damals drei Ortswehren vereinigte und so allen dreien zugute kam.

„Mit der Jugendwehr war ich fast so lange verheiratet wir mit meiner Frau Anke“, sagt Hugo Schneekloth mit einem Augenzwinkern. Er fügt aber sehr schnell den ernsten und wichtigen Hintergrund dieser Aussage hinzu. „Meine Frau hat mich in all den Jahren sehr unterstützt. Ohne ein intaktes Privatleben läuft bei einer derart aufwändigen ehrenamtlichen Arbeit nichts.“

So war auch Anke dabei, als ihr Mann 1985 zum Gemeindewehrführer gewählt wurde – einstimmig. „Diese einstimmige Wahl war bei drei sehr traditionsbewussten und eigenständigen Wehren ungewöhnlich. Aber es ging einfach um die Sache und nicht um die Person. Ich wollte die Einstellung der einzelnen Ortswehren wie ‚Das ist mein Feuer’ aus den Köpfen bekommen und eine schlagkräftige Truppe haben." Das ist ihm gelungen.

Aber die einstimmige Wahl zeigte eben auch seine Akzeptanz in der gesamten Gemeinde. So kamen sie auch alle zu seiner feierlichen Verabschiedung und Ehrung. Hugo Schneekloth wurde Ehrengemeindewehrführer sowie Ehrenmitglied der Jugendfeuerwehr. Der krönende Abschluss einer beeindruckenden aktiven Laufbahn.

Wollte oder durfte er nicht länger? „Beides! Ich werde im Sommer 65. Dann hätte ohnehin Schluss sein müssen. Es reichte aber auch mental. Wenn man 24 Stunden stand-by ist, geht es nicht spurlos an einem vorbei.“ Wehmut verspüre er aber nicht. „Es geht ja weiter. Als Ehrenmitglied bin ich ja weiter anwesend – nur eben nicht mehr in der Verantwortung. Es ist auch schön anzusehen, dass die Jugendarbeit Wurzeln geschlagen hat.“

Zudem freue sich der gelernte Flugzeugmechaniker nun auch darauf, endlich wieder Urlaub zu machen. „Letztes Jahr war ich mit Anke das erste Mal seit unserer Hochzeit wieder im Urlaub – sieben Tage Helgoland. Da wollen wir wieder hin.“ Außerdem warte eine neue Herausforderung auf ihn – der Garten mit den selbst gebastelten Vogelhäusern. „Hier kann ich mich bei einer Tasse Kaffe entspannen.“ Und dabei immer wieder nach gegenüber auf das alte Feuerwehrhaus schauen.



Quelle: Probsteier Bote vom 16. Mai 2007 - www.probsteier.de
(jb)





Potrait: Hugo Schneekloth



Ernennung zum Ehrenmitglied der Jugendfeuerwehr



Übergabe Geschenk der Gemeindewehr


Gäste und Feuerwehrkameraden


Weitere Gratulanten




Bilder: (jb)